«Ich bin hier, weil ich an die Vision dieser Schule glaube»

Alexander Minder mag ungewöhnliche Verbindungen. Als Gymnasiast interessierte er sich für Naturwissenschaften und Musik, später promovierte er in Mikrobiologie, um dann in die Finanzwelt zu wechseln. 24 Jahre arbeitete er bei der Credit Suisse in unterschiedlichen Positionen. Nebenbei absolvierte er einen Master in Kulturmanagement. Aus Interesse. Denn die Kultur ist für den 57-Jährigen ein wichtiger Teil seines Lebens. Seit 30 Jahren steht er als Statist auf der Bühne des Opernhauses Zürich. Bei Tandem IMS ist Alexander Minder schon eine ganze Weile dabei. 12 Jahre lang war der Vater von zwei erwachsenen Töchtern Mitglied des Advisory Boards der Schule. Vor zwei Jahren ist er nun in die operative Schulleitung eingestiegen. Seit August 2026 ist er Gesamtschulleiter. Wie es dazu kam, inwiefern er seine Erfahrungen nutzen kann und auf welche Expertisen er sich in pädagogischen Fragen verlässt, erzählt er im Interview.

Alexander Minder, du bist Naturwissenschaftler und warst 24 Jahre in der Finanzwelt tätig. Wie kam es dazu, dass du jetzt eine Schule leitest?

Meine Arbeit bei der Credit Suisse war sehr abwechslungsreich und hat mir viel Freude bereitet. Ich wusste aber auch, dass ich dort nicht pensioniert werden möchte. In mir wuchs der Wunsch, noch einmal etwas anderes auszuprobieren. Als die UBS 2023 die Credit Suisse übernahm, war das für mich ein klares Zeichen: Ich mache noch mal was anderes. Ich hatte das Bedürfnis, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem ich direkt sehe, was mein Tun bewirkt. 

Wie kamst du zu Tandem IMS?

Ich kenne Tandem IMS seit vielen Jahren. Ich war rund 12 Jahre lang Mitglied des Advisory Boards und dort für Finanzthemen zuständig. Als ich mir überlegte, wie es beruflich weitergehen könnte, hatte ich ein Gespräch mit der Gründerin der Schule, Sonya Maechler-Dent. Sie sagte zu mir: Es ist Zeit, dass du zu uns kommst. 
Tandem IMS hat sich in den 22 Jahren seit der Gründung stark entwickelt. Heute haben wir über 300 Schülerinnen und Schüler und mehr als 100 Mitarbeitende. Mit dem Aufbau des Gymnasiums ist die Organisation nochmals komplexer geworden. Die Schule brauchte in dieser Wachstumsphase jemanden mit einem breiten strategischen und betriebswirtschaftlichen Fundament.

Wie teilen sich heute Aufgaben und Verantwortung auf?

Wir haben uns entschieden, die pädagogischen Leitungspersonen der einzelnen Bereiche gezielt zu stärken. Sie übernehmen mehr Verantwortung für ihre Bereiche, also für die Kitas, den Kindergarten, die Primarschule und das Gymnasium. Ich selbst übernehme die Gesamtschulleitung, kümmere mich um die betriebliche und strategische Führung und bilde gewissermassen die Klammer um alles. 

Welche Bereiche und welche Rolle übernimmst du ganz konkret?

Meine Verantwortung liegt bei den übergeordneten Themen, bei Personal, Finanzen, Organisation und Marketing. Genau in diesen Bereichen kenne ich mich aus und bringe viel Erfahrung mit. Ein zentraler Teil meiner Rolle ist, zuzuhören, Themen aufzunehmen, transparent zu kommunizieren und unsere Schule gegen aussen stark zu vertreten.

In welchen Fragen verlässt du dich auf die Expertise der Pädagoginnen und Pädagogen?

Einfach gesagt: Bei allem, was den Inhalt der Schule und die Pädagogik betrifft. Da verlasse ich mich auf unsere pädagogischen Fachpersonen. Beim Curriculum, bei der Stundenplanung, bei der Ausgestaltung des Unterrichts oder der Didaktik sind sie die Expertinnen und Experten. Auch bei der Auswahl von Lehrpersonen beurteilen die pädagogischen Leiterinnen und Leiter, ob jemand die richtige Person für eine Stelle ist. Mit unserer Gründerin haben wir eine erfahrene Pädagogin im Verwaltungsrat, die auch das Gymnasium leitet.

Du bist kein klassischer Schulleiter, sondern bringst sehr vielfältige Erfahrungen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur mit. Welchen Mehrwert hat dieser breite Hintergrund für Tandem IMS?

Ich sehe genau diese Vielfalt als grosse Stärke. Bildung ist heute mehr denn je ein Zusammenspiel aus Pädagogik, gesellschaftlichem Weitblick und interdisziplinärem Denken. Durch meine Arbeit in der Forschung, der Finanzwelt und dem Kultursektor habe ich gelernt, Organisationen umsichtig zu führen, Brücken zu bauen und Themen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Tandem IMS verfügt auf allen Stufen – von der Kita bis zum Gymnasium – über ausgezeichnete pädagogische Fachpersonen. Meine Rolle als Gesamtschulleiter ist es, dieses starke pädagogische Fundament zu sichern, dem Team den Rücken freizuhalten und Erfahrungen aus anderen Bereichen einzubringen. Diese Kombination aus tiefem pädagogischem Fachwissen und breiter Führungserfahrung ergänzt sich perfekt.

Was die Ausrichtung und das Konzept von Tandem IMS betrifft, setzen wir ganz bewusst auf Kontinuität. Durch meine Jahre im Advisory Board kenne und schätze ich die Ausrichtung der Schule seit Langem. Ich stehe voll hinter unserem pädagogischen Konzept und freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit dem Team weiterzugehen.

Was überzeugt dich persönlich an diesem pädagogischen Konzept?

Ein wichtiges Element ist das Enquiry-based Learning, also das forschende Lernen, kombiniert mit dem Schweizer Lehrplan. Vereinfacht erklärt, funktioniert es so: Wir geben den Kindern nicht von Anfang an alle Informationen vor, sondern setzen einen spannenden Impuls, eine sogenannte ‘Provocation’. Das kann ein Ausflug, ein Gegenstand oder ein Buch sein. Nach diesem ersten Impuls überlegen die Kinder selbst, was sie genauer wissen wollen. Nehmen wir das Thema Gras: Ein Kind möchte vielleicht wissen, warum eine Kuh Gras frisst, das nächste, wie ein Rasenmäher arbeitet, und ein drittes, warum Gras grün ist. Die Lehrperson greift genau diese eigenen Fragen auf und begleitet die Kinder beim Erforschen und Präsentieren der Antworten. Im Gymnasium führen wir diesen Ansatz dann mit Design Thinking weiter. Dort geht es darum, kreative Lösungen für reale Probleme zu finden.

Gibt es noch andere Aspekte, die dich an Tandem IMS besonders ansprechen?

Die Mehrsprachigkeit und die kulturelle Vielfalt. Als unsere Töchter drei und fünf Jahre alt waren, zogen wir nach London. Sie besuchten dort die Deutsche Schule, hatten aber in ihren Hobbys und ihrem sozialen Umfeld viel Kontakt mit Englisch. Ich habe erlebt, wie prägend es ist, früh mit verschiedenen Sprachen aufzuwachsen. Mit einer Sprache nimmt man auch andere Kulturen auf und entwickelt eine Offenheit gegenüber anderen Menschen. Von einer solchen Haltung und Erfahrung kann man auch später noch profitieren.

Was hast du seit deinem Wechsel in die Schule neu gelernt?

Ich habe eine riesige Hochachtung davor entwickelt, was Lehrpersonen jeden Tag leisten. Als Lehrperson kann man sich kaum einen schlechten Tag erlauben. Die Kinder spüren das sofort. Dazu kommen Elterngespräche, interne Abstimmungen und die Unterrichtsvorbereitung. Das ist enorm anspruchsvoll. Daneben lerne ich jeden Tag diverse neue Dinge aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Das finde ich toll.

Wie hast du dich auf deine Arbeit in der Schule vorbereitet?

Während meines letzten Jahres bei der Bank wusste ich bereits, dass ich zu Tandem IMS wechseln würde. Deshalb absolvierte ich an der PH Luzern ein CAS für Führungspersonen ohne pädagogischen Hintergrund, die eine Schule leiten. Gleichzeitig habe ich begonnen, mir ein Netzwerk im Bildungsbereich aufzubauen. Mir war es wichtig, mich auf dieses neue Umfeld optimal vorzubereiten.

Was für ein Schulleiter möchtest du sein?

Mich interessieren Menschen. Wie sie sind, was sie machen und was sie antreibt. Ich möchte darum ein Schulleiter sein, der zuhört, Leute zusammenbringt und Teams ermutigt, ihre Ideen gemeinsam weiterzuentwickeln.

Welche Ziele verfolgst du mit Tandem IMS?

Tandem IMS gibt es seit 22 Jahren. Angefangen hat die Schule mit einer Kinderkrippe, später kamen Kindergarten und Primarschule dazu. Vor einem Jahr haben wir auch das Gymnasium und die SekA+ gestartet. Diesen Weg möchten wir weitergehen. Unser Ziel ist eine Schule, die ein Kind vom Alter von sechs Monaten bis 18 Jahren besuchen kann, wenn man das möchte. Diese Durchlässigkeit zwischen den Stufen wollen wir erreichen. Für diese lange gemeinsame Reise möchten wir den Eltern ein verlässlicher Partner sein und sind dankbar für ihr Vertrauen.

Ein Blick auf die Zukunft: Was müssen Kinder und Jugendliche heute lernen, damit sie für eine Welt mit KI und anderen grossen Veränderungen gut aufgestellt sind?

Ich bin hier, weil ich an die Vision dieser Schule glaube. Wir müssen Kindern und Jugendlichen Kreativität, Neugier und Empathie mitgeben. Das sind Dinge, die Maschinen und KI nicht können, auch wenn sie diese manchmal imitieren. Ich glaube, dass genau diese Fähigkeiten künftig gefragt sein werden. Zum einen in bestehenden Berufen, zum anderen aber auch, um neue Berufsfelder und Jobs zu schaffen.

Wie unterstützt Tandem IMS sie dabei?

Mit dem forschenden Lernen und Design Thinking bewegen wir uns genau in diesem Bereich. Kinder und Jugendliche lernen, kreative Lösungen für Probleme zu entwickeln, Dinge auszuprobieren und auch einmal mit den Händen zu arbeiten. Es geht darum, neugierig zu bleiben, empathisch zu handeln, unsere Umwelt bewusst mitzugestalten und gemeinsam weiterzukommen. All das wollen wir fördern.

Ganz zum Schluss: Was warst du selbst für ein Schüler?

(lacht) Ich war ein neugieriger Schüler. In den meisten Fächern war ich ziemlich gut, sofern sie nichts mit Sprachen zu tun hatten. Allerdings war ich nicht besonders fleissig. Vieles habe ich auf den letzten Drücker erledigt. Das verfolgt mich bis heute ein bisschen. In meiner Klasse kam ich mit allen gut aus und habe mich oft engagiert: Ich gab Nachhilfe, machte Musik und war sehr oft auf dem Fussballplatz. Ich hatte viel Energie, die ist mir bis heute geblieben.

WRITE A COMMENT

Your email address will not be published.